Hannes Meyer und das Bauhaus: Architektur für den Alltag
Hannes Meyer war ein Schweizer Architekt und Stadtplaner, der das Bauhaus in Dessau von 1928 bis 1930 leitete. Während seiner kurzen Amtszeit rückte er eine zentrale Frage ins Zentrum der Schule: Wie kann Gestaltung den Bedürfnissen möglichst vieler Menschen dienen? Damit prägte Meyer das Bauhaus auf eigene Weise – sozial orientiert, gemeinschaftlich und auf den praktischen Nutzen ausgerichtet.
Wer war Hannes Meyer?
Hannes Meyer wurde 1889 in Basel geboren. Er arbeitete als Architekt und unterrichtete, bevor Walter Gropius ihn 1927 ans Bauhaus nach Dessau berief. Zunächst leitete Meyer die Architekturabteilung. 1928 übernahm er von Gropius die Direktion der Schule.
Meyer verstand Architektur nicht in erster Linie als Kunstwerk oder Ausdruck des persönlichen Stils einer einzelnen Person. Für ihn sollte sie auf wissenschaftlicher Analyse, Zusammenarbeit und einem genauen Verständnis der Nutzung beruhen. Zu berücksichtigen waren unter anderem Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner, Kosten, Material, Konstruktion und die Umgebung eines Gebäudes.
«Volksbedarf statt Luxusbedarf»
Ein prägnanter Leitsatz von Meyer lautete «Volksbedarf statt Luxusbedarf». Er wollte, dass sich die Arbeit des Bauhauses stärker an den Anforderungen des täglichen Lebens orientiert. Gutes Design sollte nicht nur für eine wohlhabende Minderheit bestimmt sein, sondern möglichst vielen Menschen zugutekommen.
Unter seiner Leitung gewannen Architektur und produktorientierte Gestaltung an Bedeutung. Studierende beschäftigten sich mit konkreten Fragen des Wohnens und Bauens. Meyer förderte zudem eine gemeinschaftliche Arbeitsweise: Entwürfe sollten nicht allein aus der Inspiration einer einzelnen Person entstehen, sondern aus Beobachtung, Analyse und dem Austausch verschiedener Fachgebiete.
Architektur im Dienst der Gesellschaft
Zu den bekanntesten Bauwerken, die mit Meyer verbunden sind, gehört die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) in Bernau bei Berlin. Meyer entwarf das Gebäude gemeinsam mit dem Architekten Hans Wittwer. Der Schulkomplex, der zwischen 1928 und 1930 entstand, verbindet Unterrichts-, Wohn- und Gemeinschaftsräume zu einer funktionalen Gesamtanlage.
Auch die Laubenganghäuser in Dessau-Törten stehen für Meyers Interesse am kostengünstigen und zweckmässigen Wohnen. Die Wohnbauten wurden so geplant, dass sie den Alltag ihrer Bewohnerinnen und Bewohner erleichtern und die verfügbaren Mittel effizient nutzen sollten.
Ein umstrittener Direktor
Meyers soziale und politische Haltung prägte auch die öffentliche Wahrnehmung seiner Arbeit. Seine Nähe zu linken politischen Positionen führte innerhalb und ausserhalb des Bauhauses zu Spannungen. 1930 wurde er als Direktor abgesetzt; die Leitung übernahm anschliessend Ludwig Mies van der Rohe.
Nach seinem Weggang verliess Meyer Deutschland. Er arbeitete zunächst in der Sowjetunion und später in Mexiko, wo er unter anderem in der Architektur- und Bildungsplanung tätig war. Er starb 1954 in Lugano.
Hannes Meyers Vermächtnis
Hannes Meyer wird oft weniger mit dem Bauhaus in Verbindung gebracht als Walter Gropius oder Mies van der Rohe. Sein Einfluss ist dennoch bedeutend. Er stellte soziale Verantwortung, bezahlbares Wohnen und die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer ins Zentrum der Architektur. Seine Arbeit erinnert daran, dass Gestaltung nicht nur eine Frage der Form ist: Sie beeinflusst auch, wie Menschen leben, lernen und miteinander arbeiten.
Damit bleibt Meyers Ansatz aktuell. Fragen nach bezahlbarem Wohnraum, nachhaltigem Bauen und der gesellschaftlichen Verantwortung von Architektur gehören bis heute zu den zentralen Themen der gebauten Umwelt.
7 Tipps über Hannes Meyer und seine Zeit am Bauhaus
- Hannes Meyer leitete das Bauhaus von 1928 bis 1930.
- Er folgte auf Walter Gropius als Direktor.
- Sein Motto lautete
- Er stellte soziale Bedürfnisse ins Zentrum des Designs.
- Meyer förderte Teamarbeit und wissenschaftliche Methoden.
- Mit Hans Wittwer entwarf er die ADGB-Bundesschule in Bernau.
- 1930 wurde Meyer aus politischen Gründen entlassen.
Hannes Meyer leitete das Bauhaus von 1928 bis 1930.
Hannes Meyer leitete das Bauhaus in Dessau von 1928 bis 1930. Während seiner Amtszeit richtete er die Schule stärker auf soziale Bedürfnisse und praktische Anforderungen aus. Mit dem Leitgedanken «Volksbedarf statt Luxusbedarf» setzte er sich für eine Gestaltung ein, die den Alltag möglichst vieler Menschen verbessern sollte.
Er folgte auf Walter Gropius als Direktor.
1928 folgte Hannes Meyer auf Walter Gropius als Direktor des Bauhauses in Dessau. Während seiner Amtszeit rückte er die sozialen Bedürfnisse der Bevölkerung stärker ins Zentrum und setzte sich für funktionale, erschwingliche Gestaltung ein – ganz nach seinem Leitsatz «Volksbedarf statt Luxusbedarf».
Sein Motto lautete
Sein Motto lautete «Volksbedarf statt Luxusbedarf». Damit brachte Hannes Meyer seine Überzeugung auf den Punkt, dass Architektur und Gestaltung den Bedürfnissen möglichst vieler Menschen dienen sollten. Am Bauhaus setzte er sich deshalb für praktische, zweckmässige und erschwingliche Lösungen ein – statt für Luxus, der nur wenigen zugutekommt.
Er stellte soziale Bedürfnisse ins Zentrum des Designs.
Hannes Meyer stellte die sozialen Bedürfnisse der Menschen ins Zentrum des Designs. Für ihn sollten Gebäude und Gebrauchsgegenstände nicht bloss gut aussehen, sondern den Alltag möglichst vieler Menschen verbessern. Deshalb legte er Wert auf Zweckmässigkeit, bezahlbare Lösungen und eine sorgfältige Analyse der Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer. So verstand er Gestaltung als gesellschaftliche Aufgabe – und nicht als Luxus für wenige.
Meyer förderte Teamarbeit und wissenschaftliche Methoden.
Hannes Meyer setzte am Bauhaus auf Teamarbeit und wissenschaftliche Methoden. Architektur sollte seiner Ansicht nach nicht allein aus dem persönlichen Einfall einer einzelnen Person entstehen, sondern auf genauer Beobachtung, Analyse und Zusammenarbeit beruhen. Studierende und Fachleute aus verschiedenen Bereichen sollten gemeinsam praktische Lösungen entwickeln – abgestimmt auf die Bedürfnisse der Menschen, die Kosten und die verfügbaren Materialien.
Mit Hans Wittwer entwarf er die ADGB-Bundesschule in Bernau.
Gemeinsam mit dem Architekten Hans Wittwer entwarf Hannes Meyer die ADGB-Bundesschule in Bernau bei Berlin. Der zwischen 1928 und 1930 errichtete Gebäudekomplex vereint Unterrichts-, Wohn- und Gemeinschaftsräume in einer funktionalen Gesamtanlage. Das Projekt zeigt Meyers sachlichen, am Alltag und an den Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer orientierten Zugang zur Architektur.
1930 wurde Meyer aus politischen Gründen entlassen.
1930 wurde Hannes Meyer als Direktor des Bauhauses entlassen. Ausschlaggebend waren politische Spannungen: Meyer vertrat linke Positionen, und seine Gegner warfen ihm vor, die Schule zu politisieren. Auch der zunehmende Druck auf das Bauhaus spielte eine Rolle. Nach seiner Entlassung verliess Meyer Deutschland und setzte seine Arbeit zunächst in der Sowjetunion fort.
